Botanisches Institut Nordhard - Biosaatgut Rienäcker

Eigentlich war es Notwehr, oder:
wie ich ein Dreschflegel wurde.
Über Dr. Gerald Krebs

Eigentlich sollte ich heute an einer Uni sitzen und mich dort als Botaniker auf meinen Lebensabend vorbereiten. Aber es kommt ja meist alles etwas anders, als man denkt.

Am besten ist es, wenn ich am Anfang beginne. Bereits in Kindertagen lernte ich, dass man Saatgut auch selbst herstellen kann. Meine Eltern hatten in meinem nordost-thüringischen Heimatort einen Schrebergarten, in dem ich als Kind öfters mithalf. Und so blieb mir auch nicht verborgen, dass mein Vater Bohnen- und Erbsensaatgut selbst erzeugte. Dies lag mit Sicherheit daran, dass diese sich einfach vermehren ließen und dass dieses Saatgut auch schon damals relativ teuer war (heute weiß ich, wie dieser hohe Preis zustande kommt). Später verlor sich dann, wie für viele Jugendliche typisch, mein Interesse für den Garten. Auch mein Entschluss, Biologie zu studieren, hatte nichts mit meiner kindlichen Gartentätigkeit zu tun. Nach meinem erfolgreichen Studium in Halle war für mich klar, dass nur eine Hochschullaufbahn infrage kam; nicht nur weil mir die Wissenschaft Spaß bereitete, sondern weil ich auch sehr viel Freude an der Lehrtätigkeit fand.

Mit etwas Glück bekam ich eine Stelle an der Uni Leipzig, die zur Lebensstelle werden sollte. Und dann kam die Wende. Für die meisten damaligen DDR-BürgerInnen wurde die gesamte Lebensplanung vollkommen auf den Kopf gestellt. So ergab es sich auch bei mir, dass unsere zu diesem Zeitpunkt aus vier Personen bestehende Familie den Wohnort von Halle nach Thale verlegte. Dort hatten wir einen großen Garten, der neben vielen Zier- und Rasenflächen auch einen kleinen Nutzgarten enthielt. Mitte der 90er Jahre erhielt ich von einem Freund Tomatensamen einer Sorte, die relativ robust gegenüber der bereits damals wütenden Krautfäule sein sollte: De Berao. Da sich diese Eigenschaft bestätigte, vermehre ich sie noch heute für Dreschflegel.

Nach unzähligen Bewerbungen in ganz Deutschland (mit vierzig ist man ja schon steinalt) und Ablauf meiner nunmehr nur noch befristeten Stelle stand ich auf der Straße. Was nun? Ewig vom Amt leben kam für mich nicht infrage, und die Selbstständigkeit als Gutachter war für den Familienunterhalt zu unsicher. Also zurück zu den Wurzeln, was ganz Bodenständiges? Warum eigentlich nicht? Was war da naheliegender als ökologischer Gartenbau (stand nicht auf meinem Diplom als fachspezifische Ausrichtung „terrestrische Ökologie der Pflanzen“)? Schnell Kontakt zu einem Ökogärtner in meiner Umgebung aufgenommen. Dieser nette Zeitgenosse zeigte mir bereitwillig seinen Betrieb, erklärte, was er so macht und wie man überhaupt einen Ökobetrieb gründet. Er verhehlte mir aber auch nicht, dass es in unserem Gebiet zu jener Zeit noch eher schwierig war, von dieser Beschäftigung zu leben. Das dämpfte meinen Enthusiasmus, wenn da nicht der Biolek gewesen wäre. In seiner Gesprächsrunde im Fernsehen hatte er einen langhaarigen, bärtigen Gast: Friedmunt Sonnemann. Dieser erzählte, dass er im Hunsrück für eine Vereinigung namens Dreschflegel Bio-Saatgut produziere. Das war es: Spezialisierter, flächenintensiver und nicht so saisonabhängig wie der Gemüse- und Kräuteranbau, zumal ich durch mein Studium über das theoretische Wissen verfügte.

Spätestens nach meinem Besuch im Februar 2000 bei Martina Bünger, die in Schönhagen einen Dreschflegel- Hof hatte, war mir klar, dass dies das Richtige für mich war. Die möglichen Anbauflächen konnte ich nach einigem Suchen im Nachbarort pachten, und dann konnte ich loslegen.

Zurzeit kultiviere ich auf ca. 1.100m2 (damit bin ich flächenmäßig der kleinste Betrieb bei Dreschflegel) ca. 50 Sorten für unser Sortiment. Nebenbei vermehre ich noch ca. 40 Sorten für den Sortenerhalt und betreibe etwas Tomatenzüchtung. Dieses Jahr konnte ich eine zweite Fläche (ca. 800 m2) in meinem Wohnort erwerben, die ich gerade urbar mache und auf ökologischen Gartenbau umstelle. Zur grundlegenden Bodenbearbeitung benutze ich einen Einachsschlepper mit Fräse. Alles andere passiert per Hand und mit für den Kleingarten typischen Geräten. Übrigens fülle ich auch mein gesamtes Saatgut noch zu Hause per Hand ab. Seit 2001 kann ich in Saatgutseminaren auch meiner geliebten Lehrtätigkeit wieder frönen. Wer Lust bekommen hat, meinen Betrieb kennenzulernen, kann dies tun: Anrufen und vorbeikommen!

Biosaatgut Rienäcker - Dr. Gerald Krebs - Neustädter Strasse Nr. 14 -
06502 Thale - Tel. 03947 67502